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Was macht ein Ausstellungsmacher?

INTERVIEW MIT KLAUS GÖRNER, KURATOR UND LEITER DER ABTEILUNG BILDUNG UND VERMITTLUNG IM MMK

WAS IST IHRE AUFGABE HIER ALS AUSSTELLUNGSMACHER?

Die Aufgaben hier am Museum sind sehr unterschiedlich und Ausstellungen zu machen ist nur ein Teil davon. Meine Aufgabe neben der Ausstellungsvorbereitung, der Konzeption und Durchführung, ist auch die Abteilung Bildung und Vermittlung zu leiten. Diese Abteilung hat die Aufgabe solche Veranstaltungen, wie den Museumsreporter z.B. zu organisieren, viele Angebote für Kinder und Jugendliche - das mache ich zusammen mit Katharina Mantel. Aber auch die öffentlichen Führungen für Erwachsene, oder Vorträge und Filmveranstaltungen.

WIE SIND SIE ZU DIESEM JOB GEKOMMEN?

Ich habe Kunstgeschichte, Philosophie und deutsche Literatur studiert und dann habe ich in unterschiedlichen Museen in Frankfurt gearbeitet. Erst habe ich angefangen mit Führungen - das ist jetzt fast 20 Jahre her. Dann habe ich begonnen auch Ausstellungen zu organisieren. Und dann habe ich 2002 diese Stelle im Museum bekommen.

WAS FINDEN SIE AN IHREM JOB BESONDERS TOLL?

Ich interessiere mich sehr sehr für Kunst, und hier habe ich unmittelbar damit zu tun. Ich interessiere mich für Künstler, die kann ich treffen. Und ich interessiere mich für die Leute, die hier herkommen, also für die Vermittlung.

NACH WELCHEN KRITERIEN WÄHLEN SIE DIE KUNSTWERKE FÜR EINE AUSSTELLUNG AUS?

Da gibt es nichts, was man messen könnte, sondern darüber muss man sich einigen. Wenn man etwas für eine Ausstellung sucht, dann stellt man das vor und diskutiert das mit den Kollegen, sprechen darüber und versuchen uns zu einigen, ob wir alle drei das gut finden.

WORAUF ACHTEN SIE BEI DER ZUSAMMENSTELLUNG DER WERKE IN EINEM RAUM?

Man muss darauf achten, dass man den Raum nicht mit zu vielen Werken zu vollstopft, das kann ganz leicht passieren. Und dann ist darauf zu achten, dass die Werke irgendetwas miteinander zu tun haben. Wenn man nun einen Raum hat, den man mit Werken eines Künstlers füllen möchte, dann sagt man: gut, dieser Raum ist recht groß, welche Werke, die wir haben, bekommt man da hinein? D.h. wenn ein Besucher in diesen Raum reingeht und sich mit dem einen Werk beschäftigt, dann geht er zum nächsten und dann sagt: ah, das hat was zu tun mit dem vorherigen. Und wenn er dann weitergeht, dann kommt man vielleicht zu dem Schluss: die beiden vorher gesehenen erklären mir auch das Dritte. So müssen die Kunstwerke zusammenpassen.

WELCHE WERKE SIND BESONDERS INTERESSANT FÜR DIE BESUCHER?

Wir hoffen natürlich, dass alle Werke für die Besucher interessant sind. Aber das muss natürlich nicht jeder Besucher so finden. Man muss nicht alles gut finden und sich auch nicht mit allem beschäftigen. Man kommt hier her, und hat vielleicht eine, oder zwei oder wenn man ganz wild ist, drei Stunden Zeit. Und in dieser Zeit kann man sich nur mit einer begrenzten Zahl von Kunstwerken auseinandersetzen. Man kann durch das ganze Museum laufen, und dann hat man mehr oder weniger alles gesehen, das ist aber ganz oberflächlich. Und dann suche ich mir eben etwas heraus, was mich besonders interessiert. Entweder weil ich den Künstler schon kenne, oder weil es interessant aussieht und sage: darüber will ich etwas wissen. Und so muss man sich das raussuchen für die Zeit, die man hat, was man sehen will und den Rest lässt man weg. Aber grundsätzlich denken wir, dass alles interessant ist und dass man sich alles raussuchen könnte, wenn man genug Zeit hätte.

WAS MACHEN SIE, WENN SIE KEINE AUSSTELLUNG VORZUBEREITEN HABEN?

Also dann mache ich z.B. das, was man Verwaltung nennt. Oder im Augenblick wollen wir beispielsweise ein Kunstwerk ankaufen - und dafür müssen wir Leute finden, die uns dabei finanziell unterstützen wollen.  Dann gibt es eine neue Vortragsreihe, die wir gerade beginnen, das bedeutet für mich die Vortragenden ansprechen: wann habt ihr Zeit, wann wollt ihr kommen? Wenn Sie aus dem Ausland kommen, organisieren wir auch die Flüge und ein Hotelzimmer für sie. Wenn die Veranstaltung in den Museumsräumen und nicht im Vortragssall stattfindet, muss man dafür sorgen, dass Stühle aufgestellt werden, auf denen die Zuschauer sitzen und es muss eine Einladungskarte gedruckt werden - dabei arbeitet man mit den Grafikern zusammen, den muss man dann die Termine schicken, die schicken einem den ersten Entwurf, dann sagt man: das gefällt mir schon ganz gut, aber das und das muss noch geändert werden und dann schickt man es wieder zurück...und dann ist der Tag auch schon vorbei.

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