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Mikroskopie eines Schlafzimmers

I.

der Flokati ist mittendrin-Bedürfnis. einzig.

akkurate Schieflage: Grundform verschoben

               Grundform erhalten.

der Leopard ( Mantel ) beißt die

blauschwappende Komode

wo Pastellkissen schweben ( haben die

sich im Zimmer geirrt ? ). zebramodeliert

blökt das Muster. dazwischen. die Handtasche

hält den Leo zurück. ich schlafe mit Büchern

in meinem Zimmer; womit schläft man hier?

totanmutendes Tier, was bleibt

ist die Kälte des Schreckens,

da hilft auch die Klimaanlage nicht,

was bleibt ist der Fluchtwunsch

in Privaterie.

II.

arbeitsloser Wecker ( schätze ich). King-Size-Bett.

die Stummheit des Radios. Kissen vögeln in der Schräge.

verträgliche Schräge zum Interieur.

Porno-Assoziation brüsk, öffentliches Schlafzimmer.

Privation. der Spiegel ist defekt ( zum Glück

vielleicht ? ). er bedrückt mich. Munch-

Landschafts-Lampe in Schrei inszeniert,

der Letzte–. hier fehlt heute

nur der Laptop– mach Facebook auf.

aktualisier das Titelbild.

lass die Jalousinen unten, ich weiß nicht,

ob ich sehen will, was dahinter drapiert.

an den Wänden ein Seitenhieb

am abstrakten Expressionismus.

geometrischer Pollok.

III.

dieses Schlafzimmer ist unperson. es kann

nicht mit Menschen.

Ikea-Szenerie– vermeintlich. wer nimmt es in Kauf?

ein Schlafzimmer, das weder Dreckiges

noch Unordnung verträgt; Persönlichkeit

verträgt es nur als theoretisches Inventar.

der Querschnitt der Matratzen

würde unsere Sexuaität lähmen. Sexitus

hier würde ich nicht vögeln, würde

ich auch dazu eingeladen. dieses Schlafzimmer ist unperson.

Vivisektion unmöglich.

 

Martin ( 22 Jahre), Septemer 2012

Die Gedichte wurden in einem Workshop mit dem Frankfurter Lyriker Marcus Roloff erstellt. Der Workshop fand anlässlich des Schülerlyrikwettbewerbs : Lyrix, des Deutschlandradios, statt. Die Thematik lautete: Unter der Oberfläche.

Zum Werk: Bedroom Ensemble, Replica I von Claes Oldenburg, 1969, Rauminstallation

 

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