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Interview mit Carsten Nicolai

Carsten Nicolai wurde 1965 in Chemnitz geboren. Er ist bildender Künstler, Komponist und Musiker und lebt in Chemnitz und Berlin. Bekannt geworden ist er vor allem als Bildender Künstler mit seiner Objekt- und Installationskunst.

Innerhalb der Arbeit „unidisplay“ wechseln sich großflächige grafische Module in regelmäßigen Zeitabschnitten ab. Diese präsentieren in drei unterschiedlichen Ebenen, durch optische Muster und Formen, verschiedene Aspekte menschlicher Wahrnehmung. Die Soundkammer "uni(psycho)acoustic" ergänzt "unidisplay" auf auditiver Ebene und wurde in Zusammenarbeit mit den Städelstudenten entwickelt. Parallel zu den visuellen Strukturen bei "unidisplay" werden hier akustische Phänomene vorgestellt, die die Wirkungsweise menschlicher Wahrnehmung untersuchen und deren Mechanismen erlebbar machen.

 

 MMK: Worin bestand die Zusammenarbeit mit den Studenten?

Carsten Nicolai: Unsere Zusammenarbeit fand im Rahmen meiner Gastprofessur statt. Grundsätzlich haben wir uns mit dem Thema „Sound“ auseinandergesetzt, also mit der Frage „Was ist Sound?“, immer im Hinblick auf das gemeinsame Projekt, das im MMK ausgestellt wird. Dabei führten wir Versuche zu akustischen und visuellen Illusionen durch und entwickelten Beispiele. Später verteilten wir untereinander einzelne Aufgaben, die jeder speziell bearbeitet hat. Die Ergebnisse präsentierten wir uns gegenseitig, diskutierten sie und wählten die Themen aus, die zu der Arbeit im MMK passten und am besten gelungen waren. 

 MMK: Was fandest du reizvoll daran mit Studenten zusammenzuarbeiten?

Carsten Nicolai: Ich sehe mich selbst nicht als Lehrer sondern als Lernender. Man hört nie auf zu lernen. Das hat mich an der Zusammenarbeit gereizt.

MMK: Also quasi ein Geben und Nehmen?

Carsten Nicolai: Ja genau, eine Art Wechselspiel.           

MMK: Wie kommen Leute darauf „unidisplay“ mit einem Bildschirmschoner zu vergleichen?

Carsten Nicolai: Das weiß ich nicht. Derartige Bemerkungen sind mir nicht wichtig, generell lasse ich Kritik nicht an mich ran, selbst wenn sie sehr positiv ist. Die Geschmäcker sind verschieden. Meine Arbeiten sind nicht dafür gemacht, ein bestimmtes Gefühl oder eine bestimmte Wirkung beim Betrachter auszulösen. Ich möchte, dass sie für mich funktionieren und hoffe, dass sie es bei den Betrachtern auch tun.

Die einzelnen Module haben unterschiedliche Wirkungen, generell kann man das Gesamtwerk in drei Ebenen unterteilen. Die erste Ebene – die graphische Uhr – ist zeitlich, die zweite Ebene beschäftigt sich mit Zeichen und Systemen. Bei der dritten Ebene beginnt das Gehirn Dinge zu ergänzen, Illusionen, die nicht wirklich da sind.

MMK: Welcher Teil deiner Arbeit gefällt dir besonders gut?

Carsten Nicolai: Die graphische Uhr.

MMK: Wie gehst du bei deiner Arbeit vor?

Carsten Nicolai: Zuerst entwickle ich die Idee gedanklich, dann mache ich dazu Skizzen und baue Modelle.

MMK: Warum nennst du dich als Musiker „alva noto“ und was bedeutet das Pseudonym?

Carsten Nicolai: Damals schon war ich bildender Künstler und wollte vermeiden, dass die Leute voreingenommen meine Musik hören. Sie sollten noch kein Bild von mir haben. Deshalb suchte ich für meine erste CD ein Pseudonym. Als ich auf Sizilien auf dem Weg zum Ätna war, fiel mir ein Straßenschild auf, auf dem „Noto“ stand, was mir als Schriftzug gut gefiel. Also beschloss ich, diesen Namen zu übernehmen. Erst danach bemerkte ich, dass der Name auch gut zu meinem Label „noton“ passt.

MMK: Du hast einmal gesagt: „Defective elements are used as a basis for music. You have no control of what’s happening.There is something going wrong, obviously, but it’s really exciting.“ Lässt sich das bei dir auch auf’s Private übertragen? Bist du im Alltag auch so locker?

Carsten Nicolai: Natürlich versuche ich alles möglichst entspannt zu sehen, allerdings streben wir doch alle nach Perfektion. Aber das Nicht-Perfekte bringt einen voran.

MMK: Was für ein Gefühl ist es, sein Werk das erste Mal fertig, in seiner vollen Größe zu sehen?

Carsten Nicolai: Es ist ein spannender Moment. In Mailand war ich zufrieden und freue mich sehr darauf, es nun in veränderter Form im MMK zu sehen.

 

Dieses Interview wurde anlässlich der Eröffnung zu Carsten Nicolais Rauminstallationen im MMK geführt.

Zu den Werken: unidisplay und uni(psycho)acoustic von Carsten Nicolai, 2012 und 2013, Rauminstallationen

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