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"Ich möchte die Welt zeigen, die andere nicht sehen"

INTERVIEW MIT DER FOTOGRAFIN UND KÜNSTLERIN BARBARA KLEMM

Barbara Klemm wurde am 27.12.1939 in Münster geboren. Von Barbara Klemm gibt es 254 Fotografien in der MMK Sammlung. Die Bilder sind auf Kontinenten aufgenommen wie: Südafrika, Europa, USA, Russland, Südamerika. In der Ausstellung "Straßen Bilder" im MMK Zollamt zeigte Barbara Klemm den ersten Kontakt zu Menschen. Manche Menschen sagen, dass wenn man die Bilder anguckt, in ein Fenster von einem anderen Land guckt. Ich würde es besonders empfehlen, weil die Fotos immer von einem anderen Land erzählen und man kann sich davon forttragen lassen. „Ich möchte die Welt zeigen, die andere nicht sehen“, sagt Barbara Klemm. Sie lebt in Frankfurt und hat lange für die Frankfurter Allgemeine Zeitung fotografiert.

Welches ihrer Bilder finden Sie am Besten und warum?

Kann ich eigentlich nicht sagen. Was ich sehr mag ist ein Bild in der Nacht in Kalkutta, was ich auch als Titelbild für den Katalog gewählt habe. Das ist so geheimnisvoll, man weiss nicht wo es ist, welches Land es ist. Man kann nur auf den Straßenschildern ein bisschen englisch lesen, das kann also ein Land sein, in dem man Englisch spricht. Auch weil dieser Mann so auf mich zukommt hat es eine ganz wunderbare Atmosphäre. Das Bild mag ich schon sehr. Ansonsten ist das unterschiedlich. Jedes Land hat ein Bild, was mir besonders gefällt. Dieser Soldat in Moskau, der vor dem Warenhaus Gum steht, da sieht man zwei Lippenstifte im Hintergrund, das mag ich auch sehr. Da sieht man diesen Kontrast zwischen dem Soldaten und den Lippenstiften, die aussehen wie Raketen. Das ist etwas was sehr komisch ist und das gefällt mir auch sehr.

Was gefällt Ihnen an ihrer Arbeit?

Dass man Kontakt mit Menschen hat. Dass man immer irgendwas dazulernen kann. Es ist ja nicht so, dass man nur lernt gute Bilder zu machen. Man lernt ja auch über das Land und erfährt von den Menschen, die man porträtiert. Ich habe auch Porträts gemacht. Und dass man darüber liest, dass man sich informiert, was man macht. Ich muss euch sagen, ich war in der Schule ziemlich schlecht. Mit 14 bin ich sitzen geblieben. Meine Eltern haben mich gefragt, ob ich die Klasse wiederholen will oder eine Lehre anfangen will. Ich hatte keine Lust  die Klasse zu wiederholen. Meine Mutter sagte, dass ich lieber ein Jahr zu Hause bleiben sollte, mit 14 war ich ihr zu jung und ich lernte zu kochen und helfen sauber zu machen, denn wir waren sechs Kinder. Und dann habe ich mit 15 die Lehre in einem Fotostudio begonnen und den Beruf des Fotografens gelehrnt. Da gab es so riesige, alte Fotoapparate mit Kassetten hinten drin, mit einem großen Blasebalg, an dem man dann auslöst. Also sehr altmodisch, aber ich hab viel gelernt. Dann kam ich zur Zeitung. Und alles was ich dann gelernt hab, hab ich sozusagen für mich gelernt. Indem ich viel gelesen habe und immer zugehört habe, was die Redakteure sagen, also die, die die Texte schreiben. Die wissen natürlich sehr gut Bescheid. Also mit der Zeit, habe ich in meinen Leben auch gelernt. Obwohl ich so wenig in der Schule war, ich hab Schwierigkeiten mit Englisch und Rechnen. Aber ich hab es immer irgendwie geschafft.

Wieso haben Sie angefangen zu fotografieren?

Ich habe ja die Lehre gemacht. Mein Papa und meine Mama waren beide Künstler, haben beide gemalt. Und meine Mutter hat dann sechs Kinder gekriegt. Das war im Krieg und da hatte sie keine Zeit mehr zum Malen. Sie musste gucken wie sie uns von wenig Essen ernährt und es gab keine Waschmaschine oder Spülmaschine und sie hatte viel zu tun. Dann hat mein Papa gefragt, ob ich nicht was mit dem Fotoapparat machen wolle. Er hatte zu Hause ein Labor mit Vergrößerungsmaschine. Vergrößert hat er dann immer in der Nacht, im Bad und wir hatten nur ein Badezimmer. In der Zeit durfte dann niemand da rein, sonst wäre das Papier belichtet worden. Und dann habe ich mir das angeguckt. In diesem einem Jahr, in dem ich zu Hause war, habe ich dann einen Fotokurs gemacht. Und da hab ich gedacht: Das gefällt mir. Und so kam ich dann zur Fotografie.

Mit was haben Sie auf Ihren Reisen fotografiert?

Das war eine Spiegelreflexkamera, eine Canon. Und die Leica, das ist eine kleinere die hab ich auch dabei, die hab ich immer dabei. Denn manchmal geh ich auf der Straße, sehe was, finde das toll und wenn ich dann keine Kamera hätte könnte ich das Bild nicht machen. Und als Fotograf, was man nicht gemacht hat, kann man hinterher niemandem zeigen. Also alle Bilder, die man sozusagen sieht und nicht fotografiert, existieren eigentlich gar nicht. Deswegen hab ich die Leica immer dabei, die ist kleiner und nicht so schwer und damit hab ich fotografiert und fotografiere immer noch.

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