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Ich habe den schönsten Job, den ich mir vorstellen kann

Interview mit Mario Kramer, Sammlungsleiter des MMK.

Wie sind Sie zu ihrem Beruf gekommen?

Mein Interesse für Kunst hat meine Kunstlehrerin in der Schule geweckt. Die eine hat uns Zeichnen und Malen beigebracht, also ganz klassisch, aber die zweite hatte selber Kunstgeschichte studiert und die hat uns eher was über Architektur und über die Geschichte der Kunst erzählt. An der Kunstgeschichte habe ich eben großes Interesse gezeigt. Und es war diese Lehrerin, die mir sehr empfohlen hat, dass ich Kunstgeschichte studieren soll. Ich weiß gar nicht ob ich von selbst auf die Idee gekommen wäre, weil ich hatte sowas bis dahin noch gar nie gehört, dass man Kunstgeschichte studieren kann. Dann habe ich mich an verschiedenen Unis beworben - und dann habe ich mich für Freiburg entschieden, weil das noch ganz nah am Bodensee war, wo ich zur Schule gegangen war.

Was finden Sie am Besten an diesem Museum?

Einmal die Architektur des MMK, die z.B. mit sehr schönen Lichtverhältnissen ideale Räume bietet um Kunst auszustellen. Und wir sind ein nettes kleines Team, das sich schon lange kennt mit sehr ähnlichen Interessen und Vorstellungen, was wir ausstellen wollen. Das ist im MMK anders, als in großen Museen, mit über hundert Mitarbeitern, wo sich die Leute gar nicht untereinander kennen. Neben der Architektur und den Kollegen, gefällt mir besonders die Kunst und dass wir hier eng mit Künstlern zusammenarbeiten. Sie kommen zu Besuch, gucken sich mit uns die Räume an und wir entscheiden gemeinsam, welcher Raum der richtige für das richtige  Kunstwerk sein könnte, für ein Video oder eine Skulptur.

Wer ist ihr Lieblingskünstler?

Das ist eigentlich immer der, mit dem man sich jeweils im Moment intensiv beschäftigt. Am Längsten habe ich mich mit Joseph Beuys beschäftigt, über ihn habe ich auch meine Abschlussarbeit gemacht. Oder Künstler, wie derjenige, der dieses kuriose Schlafzimmer gemacht hat (Claes Oldenburg). Den habe ich auch mal kennengelernt. Er ist mittlerweile einer der ältesten Künstler unserer Sammlung. Gemeinsam haben wir damals das Zimmer eingerichtet, das hat mir ziemlich viel Spaß gemacht damals. DEN Lieblingskünstler kann es glaub ich gar nicht so geben. Es gibt so viele interessante Künstler.

Von welchem Künstler würden Sie gerne noch eine Ausstellung machen?

Auf jeden Fall würde ich gerne eine Ausstellung mit Bob Gober machen, ein Künstler von dem wir auch schon ein Werk in der Sammlung haben. Er lebt in NY und ihn kenne ich auch schon etwa seit 20 Jahren und den besuche ich auch jedes Mal, wenn ich in New York bin. Da gibt es auch schon einen Plan, aber erst vielleicht in drei Jahren. Aber da müssen wir schauen, ob uns das gelingt, denn die Ausstellung würde sehr teuer werden. Die Werke müssen ja alle in Amerika in Kisten verpackt werden und dann in Flugzeuge oder Schiffe verladen werden, dementsprechend ist der Transport verhältnismäßig teuer. Und solche Werke haben mittlerweile auch einen sehr hohen Versicherungswert, dementsprechend muss man die Versicherungssummen bezahlen. Also so eine Ausstellung kann plötzlich sehr viel Geld kosten und das Geld muss man natürlich auch ersteinmal organisieren. Da geht man zu befreundeten Firmen, Banken zum Beispiel und fragt an, ob sie die Ausstellung finanziell unterstützen würden. Also man muss sich nicht nur um die Künstler kümmern und das Ausstellen, sondern auch um die Finanzen. Und das braucht alles viel Zeit, deswegen plant man das so etwa zwei bis drei Jahre im Vorhinein.

 

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