Zurück

Am Anfang kann man denken, da ist nix

 

Interview mit Dagmar Kürschner, Mitarbeiterin im MMK.

welche Erfahrungen hast Du mit dem Werk von James Turrell gemacht?

Bei diesem Raum ist das besondere, dass man den nicht wegräumen kann und der immer da ist. Ganz viele gehen da sehr gerne rein und viele kommen extra nur für diesen Raum ins Museum, gehen 10 Minuten in den Raum und gehen dann wieder. Immer wieder bekomme ich begeisterte E-Mails speziell zu diesem Raum und dieses Kunstwerk ist wirklich ganz bekannt und beliebt bei unseren Besuchern. Und bei einer Ausstellung war dieser Raum zu, bzw. da wurde extra eine Wand vor die Öffnung gebaut. Da haben viele Leute gefragt: wo ist der Raum von James Turrell, wann kommt er wieder? Weil sie ihn einfach so gerne mögen. Dieser Raum „Twilight Arch“ ist ja eine Dauerinstallation, die ist also fast immer zu sehen. Die Besucher sind einfach wirklich so fasziniert von diesem Licht. Am Anfang kann man auch denken: Da ist ja gar nichts, das ist ja nur ein dunkler Raum. Wenn man ein bisschen länger drin ist, dann wird es langsam heller und man sieht mehr, weil die Augen sich an das Dunkel gewöhnen. Und so geht es ja jedem, der da hinein geht. Licht ist ja für uns etwas ganz besonderes.

Was denken denn die Leute über die Arbeit von James Turrell?

Alle sind erstmal ein wenig eingeschüchtert durch die Dunkelheit und wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, bemerken sie erstmal das Leuchtfeld. Manche denken, es handelt sich um einen Bildschirm, der leuchtet. Nach einer Zeit versuchen sie das leuchtende Feld anzufassen oder reinzugreifen. Das zeigt, viele Leute haben das Gefühl, es handelt sich um ein Volumen, um einen Raum, etwas, das man angreifen kann. Dann kommt oft der Moment, wo die Besucher etwas näher gehen, weil sie mehr sehen möchten. Dann sieht man erst, dass es kein Bild ist, sondern ein Ausschnitt in einer Wand. Schaut man durch diesen Ausschnitt, sieht man einen Raum. Der Moment der Überraschung lässt sich nicht wiederholen. Es funktioniert eigentlich nur einmal. Es ist immer wieder sehr schön das Licht im Raum anzusehen. Wenn man dann in den Raum hineinschaut, sieht man auch, wie es funktioniert und man entdeckt die violett leuchtenden Schwarzlichtröhren. Das Kunstwerk wurde ja extra für das MMK entworfen. Wir haben auch noch Zeichnungen in der Ausstellung, die James Turrell zu diesem Raum angefertigt hat. Der Künstler hat auf diesen Blättern aufgezeichnet, wie das Licht sein soll. Es ist alles genau beschriftet. Er hat also seine Ideen ganz genau auf Papier festgehalten. Licht kann man ja nicht wirklich zeichnen, aber der Ursprung dieses Lichtkunstwerkes ist tatsächlich eine Zeichnung.

 

Zum Werk: Twilight Arch von James Turrell, 1991, Rauminstallation

Weiter empfehlen!